Methodik: Überblick über den Themenbereich

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Methodik-Definition

Erst durch Forschung wird eine wissenschaftliche Arbeit auch wirklich wissenschaftlich. Um diese Forschung zielführend, valide und zuverlässig zu gestalten, ist die Methodik von Bedeutung. Sobald du einen ersten Entwurf deiner Forschungsfrage verfasst hast, ist es wichtig, dass du dich mit der Methodik befasst, mit der du deine Forschungsfrage beantworten möchtest.

Methodik „einfach erklärt“

Die Methodik kommt in allen wissenschaftlichen Arbeiten zum Einsatz. Der Begriff „Methodik“ beschreibt die Forschung, die du zum Beantworten deiner Forschungsfrage durchführst. Führst du qualitative Interviews für deine wissenschaftliche Arbeit durch, so ist dies deine Methodik. Basiert deine Arbeit auf Literatur, so ist die Literaturrecherche mindestens ein Teil deiner Methodik.

Definition: Methodik

Als Methodik bezeichnet man im Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Arbeit die Gesamtheit aller wissenschaftlichen Vorgänge, die mit der Suche nach neuen Erkenntnissen und der Beantwortung der vorangestellten Forschungsfrage zusammenhängen.¹

In wissenschaftlichen Arbeiten sollte auf die Einleitung und den theoretischen Rahmen ein sogenannter Methodikteil folgen. Darin werden die Methoden dargelegt, die der Verfasser der Arbeit genutzt hat, um seine Forschungsfrage zu beantworten. Das ist vor allem für die Transparenz und Reliabilität der wissenschaftlichen Arbeit wichtig: Die Leser sollen das Vorgehen nachvollziehen können, sodass sie, wenn sie die gleiche Methodik verwenden, auch zu einem ähnlichen Ergebnis kommen.

Methodik: Allgemeiner Überblick

Für gewöhnlich werden zwei Formen der Methodik unterschieden: die qualitative und die quantitative Forschung. Welche Wahl du triffst, hängt vor allem von deiner Forschungsfrage ab.

Methodik-Überblick-Formen

Qualitative Methodik

Qualitative Forschungsmethoden haben in erster Linie das Ziel, eine neue Erkenntnis zu gewinnen. Dazu werden Einzelfälle ausführlich untersucht und interpretiert, bis eine Schlussfolgerung gezogen werden kann.²

Vorteile Nachteile
Möglichkeit zur Entdeckung neuer Aspekte Zeit- und kostenintensiv
Hohe Flexibilität Hoher Aufwand bei der Auswertung der Daten
Möglichkeit zur direkten Nachfrage Abhängigkeit von bestimmten Teilnehmern
³

 

Qualitative Forschungsmethoden

Zu den qualitativen Forschungsmethoden zählen unter anderem:

  • Experteninterviews
  • Qualitative Umfragen mit offenen Fragen
  • Literrecherche
  • Qualitative Inhaltsanalysen
  • Qualitative Beobachtungen
  • Gruppendiskussion
  • Experimente
  • Fallstudien
  • Nutzwertanalyse
  • Diskursanalyse
  • Metaanalyse⁴

Quantitative Methodik

Die quantitative Forschung setzt sich vor allem mit Zahlen und Fakten auseinander. Hier geht es nicht um die Studie eines Einzelfalles, sondern darum, möglichst viele Fälle gleichzeitig auszuwerten. Meist geschieht das mithilfe von Datenerhebungen und statistischen Analysen.²

Vorteile Nachteile
Geringer Zeit- und Kostenaufwand Geringe Flexibilität
Hohe Objektivität und Validität Keine Auseinandersetzung mit den Ursachen
Genaue Messbarkeit der Ergebnisse Zusätzliche neue Erkenntnisgewinne werden vernachlässigt
³

 

Quantitative Forschungsmethoden

Zu den quantitativen Forschungsmethoden zählen unter anderem:

  • Quantitative Beobachtungen
  • Quantitative Umfragen mit geschlossenen Fragen
  • Quantitative Inhaltsanalysen
  • Nutzwertanalysen
  • Experimente⁴

In 4 Schritten deine Methodik finden

Die Methodik einer wissenschaftlichen Arbeit stellt das Fundament für die Resultate der Forschung dar. Sie sollte sich daher vor allem nach deiner Forschungsfrage richten.²

1. Schritt: Überblick über Methodik verschaffen

Methodik-Schritt-01

Dieser Schritt ist bereits geschehen. Durch die bisherigen Erklärungen in diesem Artikel hast du dir einen Überblick darüber verschaffen können, was Methodik bedeutet und welche verschiedenen Vorgehensweisen sie umfasst. Für dich geht es jetzt darum, festzulegen, welche dieser Vorgehensweisen für dich geeignet ist.

2. Schritt: Qualitatives oder quantitatives Vorgehen

Methodik-Schritt-02

Zunächst musst du entscheiden, ob du qualitativ oder quantitativ vorgehen möchtest. Diese Wahl orientiert sich vor allem daran, was besser zu deiner Forschungsfrage passt, aber auch an deinen Fähigkeiten solltest du dich orientieren. Für eine quantitative Methodik sind beispielsweise ein ausgeprägtes mathematisches Denken und Kenntnisse in der Statistik von großer Bedeutung. Möchtest du qualitativ forschen, ist das weniger wichtig.

Quantitative Verfahren zeigen auf, wie etwas ist, während sich qualitative Forschungen mit der Frage auseinandersetzen, warum es so ist. Die beiden Methoden stehen also im Wechselspiel miteinander: Die qualitative Forschung bildet Hypothesen, die quantitative Forschung überprüft sie.⁴ Passend dazu ist es auch möglich, beide Aspekte miteinander zu kombinieren. Dieser Ansatz wird häufig in Master- und Doktorarbeiten verwendet.²

3. Schritt: Induktiv oder deduktiv argumentieren

Methodik-Schritt-03

Im nächsten Schritt entscheidest du, wie du deine Forschung mit deiner Theorie verbindest. Dafür stehen die induktive und die deduktive Methode zur Verfügung. Gehst du deduktiv vor, möchtest du von einer allgemeinen Hypothese auf einen Einzelfall schließen. Du greifst also auf eine bereits bestehende Theorie zurück, die du anhand eines Beispiels belegen oder widerlegen wirst.

Die induktive Forschung geht genau entgegengesetzt vor: Durch einen Einzelfall wird eine allgemeingültige Aussage formuliert. Mithilfe von Beobachtungen und Interpretationen stellst du eine eigene Theorie auf, die von einem bestimmten Fall auf die Allgemeinheit schließt.²

4. Schritt: Sicherstellung der Gütekriterien

Methodik-Schritt-04

Wenn du deine Methodik festgelegt hast, musst du sicherstellen, dass die von dir geplante Forschung die Gütekriterien erfüllt. Das ist eine Reihe von Merkmalen, die die Qualität einer Forschungsarbeit gewährleisten soll.⁵ Qualitative Forschung ist weitaus subjektiver als quantitative, sodass diese beiden Formen der Methodik auf unterschiedliche Gütekriterien zurückgreifen.

Die Gütekriterien der quantitativen Forschung sind:

  • Validität: Gültigkeit: die beschriebene Forschung hat tatsächlich die beschriebenen Ergebnisse hervorgebracht
  • Reliabilität: Reproduzierbarkeit durch andere Forschende
  • Objektivität: Keine subjektive Einflussnahme auf die Forschung durch die Forschenden

Die Gütekriterien der qualitativen Forschung hingegen sind:

  • Transparenz: Nachvollziehbarmachung durch ausführliche Dokumentierung von Arbeitsschritten und Gedankengängen
  • Intersubjektivität: Angemessene Reflexion und Hinterfragung der erhobenen Daten durch den Forschenden
  • Reichweite: Bei Wiederholung der Forschung entstünden ähnliche Ergebnisse

Die wichtigsten Methoden für deine Methodik

Für deine Forschung stehen dir zahlreiche Methoden zur Verfügung, von denen sich nicht jede für alle Hypothesen und Forschungsfelder eignet. Du solltest die Vor- und Nachteile der einzelnen Vorgehensweisen daher gut abwägen, wenn du deine Methodik festlegst.

Literaturrecherche & Inhaltsanalyse

Literaturrecherche und Inhaltsanalysen bedeuten, dass du dich vorrangig auf die Ergebnisse vorheriger Forschungen stützt, diese miteinander vergleichst und/oder gegeneinander abwägst. Bei der Inhaltsanalyse wird neben Literatur auch auf Bild-, Ton- und Videomaterial zurückgegriffen. Unterschieden wird zwischen der qualitativen Inhaltsanalyse, die sich mit Wie- und Warum-Fragestellungen beschäftigt, sowie der quantitativen Inhaltsanalyse, die sich mit Zahlen und Datenmengen auseinandersetzt.²

Vorteile Nachteile
Geringer Aufwand Meist kein Zugriff auf aktuelle Daten
Auseinandersetzung mit der Vergangenheit Keine Möglichkeit zur persönlichen Nachfrage
Keine Abhängigkeit von anderen Menschen

Umfragen & Experteninterviews

Umfragen und Experteninterviews eignen sich gut für Arbeiten, in denen aktuelle Entwicklungen oder Geschehnisse genauer erforscht werden sollen.² Als klassisches Werkzeug der Datenerhebung macht die Umfrage es möglich, sehr viele Teilnehmer in sehr kurzer Zeit zu erreichen und mithilfe konkreter Fragestellungen zu ihren Meinungen zu befragen. Aus der Analyse der Antworten werden dann allgemeine Schlussfolgerungen gezogen. Experteninterviews hingegen konzentrieren sich auf eine bestimmte Person, die durch ihr Fachwissen helfen kann, eine Hypothese zu verifizieren oder zu widerlegen.

Vorteile Nachteile
Praxisnahe Auseinandersetzung mit komplexen Themen möglich Abhängigkeit von anderen Personen
Untersuchung von Themen auch ohne viel Literatur hoher Zeit- und Rechercheaufwand

Beobachtung & Experiment

Möchtest du unbewusste Aspekte betrachten, sind wissenschaftliche Beobachtungen und Experimente gut für deine Forschungsarbeit geeignet.² Bei Beobachtungen erhebt der Forschende als außenstehende Person relevante Daten aus einer natürlichen Situation, die vorher aufgestellten Bedingungen entspricht. In einem Experiment hingegen wird eine Situation nachgestellt, also für die Überprüfung relevanter Informationen künstlich erschaffen.

Vorteile Nachteile
Keine Notwendigkeit auf die Forschung anderer zurückzugreifen Keine Erfassung von Meinungen/Einstellungen
Erforschung des unbewussten Verhaltens Schwieriger Zugang zum Beobachtungsobjekt (z.B.: Kinder, Tiere)
Anpassbare Rahmenbedingungen

Fazit zur Methodik

Als Methodik einer wissenschaftlichen Arbeit wird das Vorgehen bezeichnet, das letztendlich zum Aufstellen oder Überprüfen einer Hypothese führt. Deine Methodik sollte sich dementsprechend danach richten, welche Forschungsfrage du beantworten möchtest. Sie wird im sogenannten Methodikteil der wissenschaftlichen Arbeit beschrieben, der direkt auf die Einleitung und den theoretischen Rahmen folgt.

Häufig gestellte Fragen

Die Methodik einer wissenschaftlichen Arbeit bezeichnet das wissenschaftliche Vorgehen, das den Forschenden zu seinen Resultaten und der Beantwortung seiner Forschungsfrage gebracht hat.¹

Unterschieden wird zunächst zwischen qualitativer und quantitativer Forschung. Beide Formen stellen verschiedene Methoden zur Verfügung.

Methoden sind Werkzeuge, die in der Forschung eingesetzt werden können. Die Methodik umfasst die Untersuchung und Beschreibung der Methoden.

Für eine wissenschaftliche Arbeit stehen zahlreiche Methoden wie Umfragen, Experteninterviews, Beobachtungen, Experimente, Literaturarbeit und Fallstudien zur Verfügung.

Der Methodikteil sollte in einer wissenschaftlichen Arbeit direkt auf die Einleitung und den theoretischen Rahmen folgen.

Quellen

¹ Müller, Mia: Methoden bei der Erstellung der Bachelorarbeit: Ein Überblick, in: StudiBucht.de, 23.04.2022, [online] https://studibucht.de/blog/methodik-bachelorarbeit/ (03.08.2022)

² Désiree: Finde die passende Methodik für deine Bachelorarbeit, in: Hochschulinitiative Deutschland, 17.02.2021, [online]  https://hochschulinitiative-deutschland.de/blog/finde-die-passende-methodik-fuer-deine-bachelorarbeit (03.08.2022)

³ empirio.de: Was sind die wesentlichen Unterschiede von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden?, in: empirio.de, 14.01.2022, [online] https://www.empirio.de/empiriowissen/qualitative-und-quantitative-forschungsmethoden (03.08.2022)

⁴ Universität Leipzig: Qualitativ vs. quantitativ, in: Universität Leipzig Methodenportal, o.D., [online] https://home.uni-leipzig.de/methodenportal/qualivsquanti/ (03.08.2022)

⁵ Universität Leipzig: Gütekriterien, in: Universität Leipzig Methodenportal, o.D., [online] https://home.uni-leipzig.de/methodenportal/guetekriterien/ (03.08.2022)