Synkope – Das historische und moderne Stilmittel erklärt

16.10.23 Alle Stilmittel Lesedauer: 7min

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Synkopen wurden historisch, als Stilmittel, aber auch in der Neuzeit und Umgangssprache, sowie Literatur verwendet. In diesem Beitrag erfährst du, welche Arten des sprachlichen Mittels es gibt, warum beziehungsweise wie es verwendet wird und in welchen Bereichen es zum Einsatz kommt. Dazu liefern wir dir zum besseren Verständnis Beispiele für dieses sprachliche Mittel mit dazu.

Synkope „einfach erklärt“

Eine Synkope ist ein Werkzeug, welche Wörter kürzer macht, indem sie einige Buchstaben oder Laute wegnimmt. Zum Beispiel wird aus „kannst du“ einfach „kannstu“ oder aus „machst du“ wird „machstu“. Es hilft, Wörter schneller zu sagen oder sie besser in einen Reim oder Rhythmus zu bringen, wie in einem Lied oder Gedicht.

Definition: Synkope

In der Linguistik bezieht sich eine Synkope auf die phonologische Erscheinung, bei der in einem Wort ein oder mehrere Laute oder Buchstaben weggelassen werden. Dies geschieht aus sprachlicher Bequemlichkeit oder um den Klang oder das Metrum eines Wortes zu beeinflussen. Das sprachliche Mittel kann sowohl in der gesprochenen als auch in der geschriebenen Sprache auftreten und ist ein wichtiges rhetorisches Mittel, das die Struktur und den Klang von Wörtern beeinflusst.

Beispiele

  • Hätt‘ ich“ anstatt „Hätte ich“ in Goethe’s Faust
  • Geliebt“ anstatt „Geliebet“ im modernen Deutsch
  • Flieg’n“ anstatt „Fliegen“ in Reimen

Die Bedeutung der Synkope in der Sprache und Literatur

Die Bedeutung der Synkope in der Sprache und Literatur liegt in ihrer Fähigkeit, den Klang, das Metrum und die Rhythmik von Wörtern zu beeinflussen, was wiederum die sprachliche Ästhetik und den Ausdruck erheblich verändern kann. Hier sind einige Aspekte, die die Bedeutung verdeutlichen:

Klangliche Veränderung
Synkopen können dazu verwendet werden, Wörter kürzer oder flüssiger klingen zu lassen. Dies kann den Klang der Sprache angenehmer gestalten und die Aussprache erleichtern. Somit wird sie sowohl in Literatur und Posie als auch in der Alltagssprache verwendet.

Rhythmische Anpassung
In der Poesie und Liedtexten können sie verwendet werden, um das Metrum oder den Rhythmus eines Verses oder einer Zeile anzupassen. Dies ermöglicht es Dichtern und Songwritern, Wörter so zu arrangieren, dass sie besser zum musikalischen oder poetischen Fluss passen.

Betonung und Emphase
Durch die Auslassung von Lauten oder Silben können Synkopen die Betonung auf bestimmte Teile eines Wortes verlagern, was die Bedeutung oder den Ausdruck verstärken kann. Dies ist in der Dichtung besonders nützlich, um bestimmte Wörter oder Gedanken hervorzuheben.

Sprachliche Vielfalt
Die Verwendung dieser Auslassungen kann die Sprache lebendiger machen, da sie Variationen und Nuancen in der Aussprache von Wörtern ermöglichen. Die Sprache kann damit auch bewusst informeller gestaltet werden. Dies trägt zur Vielfalt und zum Reichtum der Sprache bei.

Historische Bedeutung
In einigen Fällen kann das Phänomen historisch wichtige Entwicklungen in der Sprache dokumentieren, insbesondere in Bezug auf die Entwicklung von Dialekten und regionalen Unterschieden. Dazu kann die Entwicklung von bestimmten begriffen von ihrer Ursprungsform bis hin zu ihrer heutigen Form betrachtet werden.

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Arten von Synkopen

Das sprachliche Mittel kann grob, je nach Alter, in zwei Kategorien eingeteilt werden. Diese sollten in beispielsweise wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Germanistik unterschieden werden können.

Synkope - Arten

Historische Synkopen

Historische Synkopen beziehen sich auf einen linguistischen Prozess, bei dem in der Geschichte einer Sprache Laute oder Silben aus Wörtern weggelassen wurden. Dies geschah oft aus sprachlicher Vereinfachung oder Veränderung der Aussprache im Laufe der Zeit. Hier sind einige Beispiele aus der Geschichte der deutschen Sprache, sowohl aus dem Germanischen, als auch Mittelhochdeutschem:

Beispiele

  • „drum“ statt „darum“
    „Drum“ wurde und wird als Abkürzung von „darum“ verwendet.
  • „Herz“ statt „Herze“
    Das mittelhochdeutsche Wort „Herze“ wurde zu „Herz“.
  • „Weg“ statt „Wega“
    Das Wort „Weg“ wurde aus dem germanischen „Wega“ abgeleitet.
  • „Gelücke“ statt „Glück“
    Das erste „e“ war unbetont und wurde schließlich ganz weggelassen.
  • „Lügener“ statt „Lügner“
    Auch hier war das „e“ in einer unbetonten Nebensilbe und wurde weggelassen.

Synchronische Synkopen

Synchronische Synkopen bezeichnen das Verkürzen oder gar den Wegfall ganzer Laute oder Silben in Wörtern, wie sie in der modernen Sprache verwendet werden. Im Gegensatz zum historischen Pendant, welche in der Vergangenheit verwendet wurden, sind synchronische Synkopen moderne Entwicklungen. Hier sind einige aktuelle Beispiele dafür in der modernen deutschen Sprache:

Beispiele

  • „kannste“ statt „kannst du“:
    In der Umgangssprache wird oft das „du“ am Ende von „kannst du“ weggelassen, und stattdessen sagt man „kannste“, was schneller auszusprechen ist.
  • „mach’s“ statt „mach es“:
    Ebenso wird in der Umgangssprache häufig das „es“ am Ende von „mach es“ weggelassen, und stattdessen sagt man „mach’s“.
  • „Gefühl“ statt „Gefühle“:
    In einigen Dialekten oder regionalen Aussprachen wird das Plural-„e“ am Ende von Wörtern wie „Gefühle“ oft weggelassen, und stattdessen sagt man „Gefühl“.
  • „in’n“ statt „in den“:
    In einigen Fällen wird in der gesprochenen Sprache das „den“ in „in den“ zu „in’n“ verkürzt, um die Aussprache zu vereinfachen.

Synkopen in der Literatur und Poesie

Synkopen in der Literatur und Poesie beziehen sich auf die bewusste Verkürzung oder den Wegfall von Lauten, Silben oder Buchstaben in Wörtern, um klangliche, rhythmische oder poetische Effekte zu erzielen. Diese stilistische Technik kann dazu beitragen, Texte kraftvoller, melodischer oder rhythmischer zu gestalten. Hier sind einige Beispiele aus bekannten Gedichten und literarischen Werken:

Beispiel: „Ew‘ger Lauf“

„Es waltet stets dasselbe Leben.
Natur geht ihren ew’gen Lauf;
in tausend neu erschaffnen Wesen
steh’n diese tausend Teilchen auf.“

Bei „ew´gen“, „erschaffnen“ und „steh´n“ wurden im Zuge des Reims Buchstaben weggelassen.

Beispiel: „Max und Moritz“

„Schnupdiwup! Jetzt Num’ro zwei;
Schnupdiwup! Jetzt Num’ro drei;
und jetzt kommt noch Num’ro vier:
Schnupdiwup! Dich haben wir! –“

Hier wird in jeder Zeile „Num´ro“ anstatt „Numero“ geschrieben, welches wiederum für „Nummer“ steht.

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Die Synkope in der modernen Kommunikation

In der modernen Kommunikation spielt die Synkope immer noch eine wichtige Rolle, ganz besonders in der Umgangssprache. Dabei sind einige Aspekte zu beachten:

  • Vereinfachung und Schnelligkeit
    In der gesprochenen Sprache wird das Mittel häufig verwendet, um Wörter abzukürzen und so deren Aussprache zu vereinfachen. Das hat den Effekt, dass ein Gespräch zwar schneller abläuft, aber dabei zwangsläufig auch informeller wirkt. Zum Beispiel wird „kannst du“ zu „kannste“ oder „machst du“ zu „machst“.
  • Lockerer und natürlicher Ton
    Durch den informelleren Charakter der Sprache durch die Auslassung von Buchstaben wirkt diese ebenfalls natürlicher und entspricht so eher dem lockeren Ton von Alltagsituationen, bei welchen eine formelle Aussprache unangemessen wirken würde oder zumindest wirken könnte.
  • Kulturelle Identität und Regionalität:
    Kulturelle und regionale Sprachweisen können ebenfalls durch die Verwendung des Stilmittels identifiziert werden, da Dialekte aus unterschiedlichen Regionen einen eigenen Sprachgebrauch haben und somit auch ihre eigenen Synkopen ausgebildet haben.

Synkopen in der Musik

Auch in der Musik werden Synkopen natürlich angewendet, gerade, wenn es um Rhythmus und Betonungen geht. In der Musik bezieht sich das Stilmittel auf die Betonung eines Taktschlags, der normalerweise schwach ist oder übersprungen werden würde. Dies kann dazu beitragen, musikalische Spannung zu erzeugen und den Rhythmus interessanter zu gestalten. Beispielsweise werden in vielen Musikstilen Auslassungen verwendet, um das Timing und den Groove zu betonen, insbesondere in Jazz, Funk und Latin-Musik.

Synkopen im Rap

Im Rap sind diese Auslassungen ein entscheidendes Stilmittel. Rapper verwenden Synkopen, um komplexe Rhythmen und Wortspiele zu erzeugen. Sie können Silben oder Laute weglassen oder hinzufügen, um den Text flüssiger zu gestalten oder um zu betonen, wie sie auf den Beat rappen. Dies trägt zur rhythmischen und klanglichen Vielfalt im Rap bei und hilft Rappern mit ihrem eigenen Stil. Gleichzeitig werden durch diese Anpassungen an Wörtern Neologismen, also Wortneuschöpfungen hervorgebracht.

Synkope - Anwendungsgebiete

Synkope vs. Wortverschmelzungen

Wortverschmelzungen, auch als „Elisionen“ oder „Verschleifungen“ bezeichnet, sind sprachliche Phänomene, bei denen Wörter miteinander verschmelzen oder bestimmte Laute oder Buchstaben am Wortende ausgelassen werden, wenn sie aufeinandertreffen. Aufgrund der Ähnlichkeit zu Synkopen, können hier Verwechselungen auftreten. Daher siehst du hier die Unterschiede im Vergleich:

Kriterium Synkopen Wortverschmelzungen
Definition Auslassung von Lauten, Silben oder Buchstaben in einem Wort. Verschmelzung von Wörtern, bei der Laute oder Buchstaben weggelassen werden.
Anwendungsbereich
  • Linguistik
  • Literatur
  • Musik
  • Gesprochene Sprache
  • Alltagssprache
  • Umgangssprache
Wirkung Beeinflusst den Klang und das Metrum von Wörtern oder Texten. Beeinflusst die Aussprache von Wörtern oder Texten, um sie flüssiger zu gestalten.
Beispiel Kannst du mir helfen?
Kannste mir helfen?
Ich habe heute keine Vorlesung.
Ich hab’ heute keine Vorlesung.

Häufig gestellte Fragen

Ein Beispiel für das Stilmittel in der Musik ist die Betonung eines Taktschlags, der normalerweise schwach ist oder übersprungen wird, um rhythmische Spannung zu erzeugen. Ein häufiges Beispiel hierfür in der Musik ist die „offbeat“ Betonung, bei der der Schwerpunkt auf einem Schlag zwischen den regulären, betonten Schlägen liegt.

In der Literatur und Sprachwissenschaft bezeichnet man hiermit ein Stilmittel, bei dem Laute, Silben oder Buchstaben in einem Wort ausgelassen oder verkürzt werden, um klangliche oder rhythmische Effekte zu erzeugen.

Ja, in der Poesie werden oft Synkopen verwendet, um den metrischen Rhythmus eines Verses zu erhalten oder Reime zu schaffen.

In einem Gedicht bezieht sich das Stilmittel auf die bewusste Verkürzung oder den Wegfall von Lauten, Silben oder Buchstaben in einem Wort, um klangliche, rhythmische oder stilistische Effekte zu erzeugen. Dieses Stilmittel wird oft verwendet, um das Metrum, den Klang oder den Rhythmus eines Gedichts zu beeinflussen und es poetisch ansprechender oder melodischer zu gestalten.

Eine Synkope bezeichnet den Wegfall eines Lautes oder einer Silbe in der Mitte eines Wortes.