Schrägstrich – Alle Regeln zum Gendern im Überblick

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Schrägstrich-Definition

Der Schrägstrich ist eine der ältesten Methoden, um genderneutrale Sprache in wissenschaftlichen Arbeiten zu gewährleisten. Er ist fest in die deutsche Rechtschreibung integriert und wird von allen Universitäten anerkannt. In diesem Artikel erfährst du, wie du den Schrägstrich korrekt gebrauchst.

Schrägstrich „einfach erklärt“

Der Schrägstrich ist eine Methode für Genderneutrale Sprache. Hierbei setzt man einen Schrägstrich hinter die männliche Form eines Substantivs und ergänzt dahinter ein -innen.
Bsp: die Maler/-innen

Definition: Schrägstrich

Der Schrägstrich ist ein Wortzeichen, das mehrere Begriffe oder Phrasen als mögliche Alternativen markiert. Ferner kann er Wortbestandteile (mithilfe des Bindestrichs) als optionale Ergänzungen an bestehende Wörter anfügen. Durch die Verwendung des Schrägstrichs können Sätze an verschiedene Kontexte angepasst werden. Das macht ihn hilfreich, um Sätze inhaltlich zu vervollständigen (ohne sie wiederholen zu müssen) und wissenschaftlichen Arbeiten unkompliziert eine größere Bandbreite an begrifflichen Zugängen einzuräumen.

Der Schrägstrich ist die älteste (zeichenbezogene) Methode, um genderneutrale Schriftsprache zu erzeugen. Dabei bildet der betreffende Satz, soweit er sich auf eine menschliche Personengruppe bezieht, sowohl die maskuline als auch die feminine Form aller personenbezeichnenden Wörter ab.

Beispiel:

  • die Fußballspieler/-innen
  • die Bauarbeiter/-innen
  • die Schneider/-innen

Schrägstrich laut Duden richtig anwenden

Der Duden führt mehrere Regeln zur korrekten Verwendung des Genderschrägstrichs an. Diese Regeln beziehen sich vorrangig auf den Umgang mit unterschiedlichen Wortstämmen, Pronomen und Artikeln. Alle schrägstrichbezogenen Gender-Regeln zielen darauf ab, die maskuline und feminine Genus-Form vollständig abzubilden. Ferner gilt: Schrägstriche werden immer ohne Leerstellen verwendet.

Die wichtigsten Regeln betreffen:

  1. das Genus-Suffix bei gleichem Wortstamm
  2. die Ausschreibung beider Substantive bei unterschiedlichem Wortstamm
  3. die Ausschreibung alternativer Pronomen/Artikel
  4. gegenderte Komposita

Genus-Suffix bei gleichem Wortstamm

Wenn die maskuline und die feminine Variante eines Wortes über den gleichen Wortstamm verfügen, wird die maskuline Variante ausgeschrieben, mit einem Schrägstrich abgeschlossen, und um das feminine Suffix ergänzt. Vor dem femininen Suffix steht ein Bindestrich. Dadurch wird zum Ausdruck gebracht, dass der Satz sowohl die maskuline als auch (bei Bedarf) die feminine Genus-Form berücksichtigt. Es gibt auch Fälle, in denen die feminine Variante ausgeschrieben und um ein maskulines Suffix ergänzt werden muss.

Richtig:

  • die Käufer/-innen
  • die Fahrer/-innen

Falsch:

  • die Verwalter/innen
    die Nachbar/-innen

Ausschreibung beider Substantive bei unterschiedlichem Wortstamm

Sollten sich die Wortstämme der maskulinen und femininen Variante unterscheiden (und/oder die feminine Form die maskuline nicht beinhalten), werden beide Genus-Formen des betreffenden Begriffs vollständig ausgeschrieben. Dazwischen steht der Schrägstrich, um sie als gültige Alternativen zu markieren.

Richtig:

  • die Bauern/Bäuerinnen
    die Brüder/Schwestern

Falsch:

  • die Kollegen/-innen
  • die Gräf/-innen

Ausschreibung alternativer Pronomen/Artikel

Beim Gendern muss der gesamte Satz beide Genus-Formen abbilden. Das bezieht sich nicht nur auf das personenbezeichnende Substantiv, sondern auch auf seine Artikel und Pronomen. Demnach müssen alle erforderlichen genusbezogenen Pronomen/Artikel realisiert und vollständig (mit Schrägstrichen) ausgeschrieben werden. Grammatisch betrachtet werden auf diese Weise mehrere (alternative) Sätze an gleicher Stelle realisiert.

Richtig:

  • der/die Sachbearbeiter/-in
  • der/die Arbeiter/-in baut ein Haus für seine/ihre Familie

Falsch:

  • der Arzt/Ärztin
  • der Polizist verhaftet den Straftäter/-in

Gegenderte Komposita

Komposita werden entweder durch ein genusbezogenes Suffix oder einen alternativen Begriff gegendert. Dabei ist zu beachten, dass der Schrägstrich ausschließlich vor dem genusbezogenen Suffix am Ende des Kompositums oder zwischen zwei alternativen Begriffen stehen darf. Er steht nicht inmitten eines Wortes, um einzelne Wortbestandteile zu gendern. Ferner müssen nur Wortbestandteile gegendert werden, die sich auf die Geschlechtszugehörigkeit einer Personengruppe beziehen. Der Begriff Bürgersteig bezeichnet zum Beispiel keine Personengruppe.

Richtig:

  • der Streik der Zugführer/-innen
  • der/die Aufsichtsratvorsitzende/-r

Falsch:

  • Sportler/-innenversammlung
  • Genossen-/Genossinnenschaftliche Mieter/-innenvereinigung

Schrägstrich: Weitere Anwendungsmöglichkeiten

Unabhängig vom Duden existieren weitere Formate des Genderschrägstrichs. Diese sind nicht rechtschreibkonform, werden je nach Institut aber als zulässige Schreibweise anerkannt. Bei diesen Variationen des Genderschrägstrichs wird entweder auf den Bindestrich vor Suffixen verzichtet und/oder die maskuline Form nicht vollständig ausgeschrieben. Da die feminine Genus-Form dadurch bevorzugt behandelt wird, wird diese Verwendung des Schrägstrichs kontrovers diskutiert.1

Beispiel:

  • ein/e Lehrer/in
  • die Schüler/innen
  • die Spezialist/-innen
  • die Kolleg/-innen

Schrägstrich: Anerkennung & Verwendung

Der Genderschrägstrich wird oftmals als veraltete Form des Genderns empfunden. Bei neuen Instituten/Textformaten fällt die Wahl der Gendermethode inzwischen eher auf das Gendersternchen oder den Genderdoppelpunkt. Allerdings ist der Genderschrägstrich die einzige rechtschreibkonforme Form des Genderns und durch ihren langjährigen Gebrauch weit verbreitet.

Schrägstriche gelten nach wie vor als sichere Methode, genderneutrale Sprache in wissenschaftlichen Texten zu erzeugen. Dokumente von Bundes- und Landesbehörden verzichten hingegen auf Gender-Sonderzeichen und weichen auf neutrale Formulierungen aus.

Schrägstrich: Vor- und Nachteile

Vorteile

  • weit verbreitet
  • einzige orthografisch korrekte Methode für genderneutrale Sprache
  • fällt im Schriftbild nicht auf, da der Schrägstrich ohnehin für alternative Formulierungen verwendet wird

Nachteile

  • beim Anfügen von Affixen findet eine starke optische Trennung zwischen Affix und Wortstamm statt
  • Personen, die sich keinem bestimmten Geschlecht zugehörig fühlen, werden nicht berücksichtigt
  • das Gendern von mehreren Wörtern und Pronomen/Artikeln kann zu sehr unübersichtlichen Sätzen führen 2

Schrägstrich durch neutrale Formulierungen ersetzen

Anstatt Sonderzeichen zu verwenden, kannst du genderneutrale Sprache durch geschlechtsunspezifische Formulierungen erzeugen. Dies fördert das Schriftbild und die Lesbarkeit deines Textes, ist jedoch nicht mit allen personenbezogenen Begriffen möglich. Beachte, dass es legitim ist, geschlechtsunspezifische Formulierungen und den Genderschrägstrich im gleichen Text zu verwenden, der Gebrauch unterschiedlicher Gender-Sonderzeichen jedoch als formaler Fehler gilt.

Beispiele für geschlechtsunspezifische Begriffe:

  • Student/-in -> Studierende
  • Lehrer/-in -> Lehrkraft
  • Pfleger/-innen -> Pflegepersonal

Schrägstrich – Tipps fürs Gendern

  • nutze den Plural, um nicht den ganzen Satz mit zwei Genus-Formen angeben zu müssen
  • verwende, wenn möglich, geschlechtsunspezifische Begriffe
  • entscheide dich für ein Gender-Sonderzeichen und nutze es im gesamten Text
  • bedenke, dass es immer darum geht, sowohl die maskuline als auch die feminine Genus-Form zu berücksichtigen
  • erkundige dich, welches Gender-Format dein Institut bevorzugt

Häufig gestellte Fragen

Wenngleich du nicht grundsätzlich dazu verpflichtet bist, erwarten viele Institute den Gebrauch genderneutraler Sprache in wissenschaftlichen Arbeiten. Oft hast du dabei die Wahl zwischen dem Schrägstrich und anderen genderneutralen Schreibweisen (zum Beispiel dem Asterisk, Doppelpunkt oder Unterstrich). Erkundige dich im Zweifelsfall bei deinem Betreuer, welche Variante dein Institut bevorzugt.

Nein, ein Schrägstrich wird immer ohne Leerzeichen verwendet.

Alle Bestandteile des Satzes müssen sowohl das maskuline als auch das feminine Genus zulassen, wenn du das Substantiv genderneutral angeben möchtest. Das bedeutet, dass auch Artikel mit einem Schrägstrich und ihrer jeweiligen Alternative dargestellt werden müssen. Um unübersichtliche Schrägstrichkonstruktionen zu vermeiden, solltest du (soweit es die Aussage zulässt) den Plural bilden.

Der Schrägstrich kann entweder zwei Alternativen angeben oder ein bestehendes Wort um ein optionales Suffix (z. B. {-innen}) erweitern. Das optionale Suffix muss ohne weitere Modifikationen an das bestehende Wort angefügt werden können. Ist dies nicht möglich, musst du das gesamte alternative Wort angeben.

Komposita können nur mit einem Schrägstrich dargestellt werden, wenn dieser sich auf die Wortendung oder auf einen alternativen Begriff bezieht. Es ist nicht möglich, ein Kompositum durch einen Schrägstrich zu unterbrechen, alternative Wortbestandteile in der Wortmitte anzugeben, und es dann mit einem feststehenden Wortbestandteil zu beenden.

Quellen

1Linder M.: Gender in der Schriftsprache – aktueller Stand in
Deutschland im internationalen Vergleich, in: Phka.bsz-bw.de, 2011, [online] https://phka.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/123/file/Gender+in+der+Schriftsprache+-+Marleen+Linder.pdf (abgerufen am 09.01.2023)

2Technische Hochschule Deggendorf: Leitfaden für
Geschlechtersensible Sprache, in: Th-deg.de, März 2021, [online] https://www.th-deg.de/Studieninteressierte/Beratung/gleichstellung/genderleitfaden_thd.pdf (abgerufen am 09.01.2023)