Gendersprache – Definition, Nutzen und Methoden

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Gendersprache-Definition

An vielen Universitäten hat sich das sogenannte „Gendern“ – also der Gebrauch einer geschlechtergerechten Sprache in wissenschaftlichen Haus- und Abschlussarbeiten – mittlerweile fest eingebürgert. Teilweise haben die zu diesem Zweck erarbeiteten sprachlichen Richtlinien auch den Charakter von Vorschriften, die verpflichtend einzuhalten sind und auch für die Benotung von Bedeutung sein können.1 2 3

Insofern macht es für Studierende aller Fachrichtungen Sinn, sich mit den Grundlagen der Gendersprache vertraut zu machen, um diese bei Bedarf korrekt anwenden zu können. Die wichtigsten Aspekte zu diesem Thema haben wir in diesem Artikel für dich zusammengefasst.

Gendersprache „einfach erklärt“

Gendersprache wird genutzt, um deutlich zu machen, dass nicht nur von Männern, sondern auch Frauen oder anderen Geschlechtern gesprochen wird. Sie soll sicherstellen, dass in einer Gruppe, welche nicht nur aus Männern besteht, jede Person angesprochen wird.

Definition: Gendersprache

Die Gendersprache kann als Antwort auf das Problem verstanden werden, dass die Verwendung von rein männlichen Formen (zum Beispiel „Schüler“ oder „Kollegen“) es mitunter schwer nachvollziehbar macht, ob damit auch weitere Personen angesprochen werden sollen. In der deutschen Sprache gibt es eine ganze Reihe an Möglichkeiten, womit du richtig gendern kannst, wobei keine allgemeinverbindliche Norm existiert. Vielmehr gilt es aus mehreren denkbaren Optionen auszuwählen.4

Warum gibt es die Gendersprache?

Die Verwendung des generischen Maskulinums wird aus feministischer Sicht kritisiert, weil es abseits sprachlicher Unschärfen die Notwendigkeit ignoriere, Frauen (sowie im weiteren Sinn auch andere Geschlechtsidentitäten) sichtbar zu machen. Darüber hinaus wird die Verwendung rein männlicher Formen in dieser Perspektive als potenziell diskriminierendes Instrument sowie als Mittel zur Reproduktion von veralteten Rollenbildern gesehen.5

Richtige Anwendung der Gendersprache

Wie zuvor angemerkt gibt es im Deutschen keine allverbindliche Norm, die sämtliche Aspekte der Gendersprache für alle Lebensbereiche verbindlich festlegt. Somit solltest du dich – falls vorhanden – an den entsprechenden Leitfäden oder Formulierungshinweisen deiner Hochschule oder deines Fachbereiches orientieren. Teilweise werden derartige Dokumente auch auf der Ebene der einzelnen Lehrstühle beziehungsweise Professoren veröffentlicht, die du in diesem Fall natürlich ebenso beachten solltest. Ergänzend haben wir dir in den folgenden Absätzen einen kleinen Guide über gängige Formulierungsvorschläge zusammengestellt.6 7

Gendersprache-Übersicht

Neutrale Formulierungen in der Gendersprache

Die erste Möglichkeit, um den Anforderungen der Gendersprache gerecht zu werden, ist das Vermeiden einer Geschlechtszuweisung. Bei neutralen Formulierungen verwendet man weder die männliche Form des Wortes, noch die weibliche Form, wodurch eine geschlechtsneutrale Formulierung entsteht. Die spricht alle Geschlechtsidentitäten gleich an.

Konventionelle Formulierung Geschlechtergerechte Formulierung
Mitarbeiter Beschäftigte
Studenten Studierende
Dozenten Lehrkräfte
Doktoranden Promovierende
Ansprechpartner Ansprechperson
Teilnehmer Teilnehmende
Leser Leserschaft

Erfolgreiche Gendersprache durch die Doppelnennung

Eine weitere Möglichkeit, die Gendersprache in wissenschaftlichen Arbeiten umzusetzen, stellt die Doppelnennung (auch Paarform) dar, bei der beide Geschlechter ausdrücklich im Text genannt werden. Darauf kannst du zurückgreifen, wenn keine neutrale Formulierung zur Verfügung steht. Die Doppelnennung solltest du jedoch spärlich verwenden, um den Text nicht zu überfrachten.8 9

Beispiele:

  • Lehrer und Lehrerinnen
  • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen
  • Leser und Leserinnen

Doppelnennung mit Klammern oder Schrägstrich

Die Doppelnennung mit Schrägstrich oder Klammern stellt eine verkürzte Variante des obigen Prinzips dar, wobei die Einklammerung zunehmend weniger Gebrauch findet. Zu dieser Methode solltest du nur bei Platzmangel greifen, da sie mitunter den Eindruck erwecken können, die feminine Form werde als Anhängsel behandelt. Bei manchen Wortpaaren kann es notwendig werden, bei der männlichen Form einen Wortteil wegzukürzen – in diesem Fall musst du stattdessen zur Paarform greifen. Beachte auch, dass bei Wortpaaren mit Vokaländerungen keine Verkürzung vorgenommen wird.4 8

Beispiele:

Richtig: Professor/-innen

Richtig: Teilnehmer(innen)

Falsch:  Absolvent/-innen
→ Absolventinnen und Absolventen

Falsch: Arzt/Ärztin

Zeichen der Gendersprache

In der Gendersprache können darüber hinaus auch Sonderzeichen zum Einsatz kommen. Beim sogenannten Binnen-I mit wortinterner Großschreibung handelt es sich um eine rein binäre Formulierung, die sich also nur auf Männer und Frauen bezieht. Der Unterstrich (auch „Gender-Gap“) soll hingegen das gesamte Geschlechterspektrum abdecken; Ähnliches gilt auch für das Gendersternchen. Allerdings sind diese Schreibweisen laut Duden im amtlichen Regelwerk derzeit nicht anerkannt.1 4 10

Anwendungsbeispiele:

  • Binnen-I: MitarbeiterInnen
  • Gender-Gap: Mitarbeiter_Innen
  • Gendersternchen: Mitarbeiter*innen

Einbauen eines Gender-Disclaimers

Teilweise ist es auch möglich, einen sogenannten Gender-Disclaimer in die wissenschaftliche Arbeit einzubauen, der den Gebrauch des generischen Maskulinums rechtfertigt. Dabei wird beispielsweise mit besserer Lesbarkeit argumentiert und weibliche Formen gelten als gleichermaßen einbezogen. Ob ein Gender-Disclaimer im Einzelfall tatsächlich ausreicht, musst du vorab mit der jeweiligen Betreuungsperson abklären.11 12

Darauf kommt es bei der Gendersprache an

Damit du bei der Umsetzung der Gendersprache nicht den Überblick verlierst, haben wir abschließend eine Checkliste erstellt, an der du dich zur abschließenden Überprüfung deiner Arbeit orientieren kannst:

  • Hast du die jeweils leserlichsten Formen verwendet?
  • Sind Satzbau, Grammatik und Rechtschreibung weiterhin korrekt?
  • Verwendest du die unterschiedlichen Möglichkeiten der Gendersprache nach einer einheitlichen und in sich stimmigen Logik?
  • Berücksichtigst du gegebenenfalls auch nicht-binäre Geschlechtsidentitäten mit?

Häufig gestellte Fragen

Die Gendersprache zielt darauf ab, sämtliche Geschlechter (zunehmend auch über die binäre Auffassung von Mann und Frau hinaus) anzusprechen und zu deren Sichtbarkeit beizutragen. Somit will sie auch einen Beitrag zum Abbau von Diskriminierungen leisten.2

Geschlechtergerechte Sprache bedeutet, sprachliche Mittel zu verwenden, um Menschen aller Geschlechtsidentitäten in der Sprache darzustellen.13

Ob du in einer bestimmten Arbeit die Gendersprache verpflichtend verwenden musst, hängt von den spezifischen Vorgaben deiner Universität, deines Fachbereichs oder deiner Betreuungsperson ab.

Ob sich die Gendersprache auf die Benotung auswirken darf und soll, wird kontrovers diskutiert. In der Praxis musst du jedenfalls häufig damit rechnen, dass dieser Aspekt durchaus in die Bewertung einer Arbeit einfließen kann.

Viele Universitäten beziehungsweise Fachbereiche veröffentlichen an ihre Studierenden gerichtete Dokumente zum Thema korrektes Gendern.14 Zur Sicherheit kannst du im Zweifelsfall auch einfach bei der jeweiligen Betreuungsperson nachfragen, welche sprachlichen Mittel erwartet werden.14

Quellen

Quelle:
¹ Universität Wien: Geschlechterinklusive Sprache, in: Personalwesen Universität Wien, o.D., [online] https://personalwesen.univie.ac.at/gleichstellung-diversitaet/im-ueberblick/geschlechterinklusive-sprache/ (abgerufen am 11.10.2022)

² Universität Kassel: Geschlechtergerechte Sprache, in: Universität Kassel Hochschulverwaltung, o.D., [online] https://www.uni-kassel.de/hochschulverwaltung/themen/gleichstellung-familie-und-diversity/geschlechtergerechte-sprache (abgerufen am 11.10.2022)

³ HNA: Uni Kassel: Weil sie nicht gendern – Studierende können schlechtere Noten erhalten, in: HNA.de, 09.04.1021, [online] https://www.hna.de/kassel/universitaet-kassel-gender-streit-noten-politik-sprache-90265076.html (abgerufen am 11.10.2022)

⁴ Duden: Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch, in: Duden.de, o.D., [online]  https://www.duden.de/sprachwissen/sprachratgeber/Geschlechtergerechter-Sprachgebrauch (abgerufen am 11.10.2022)

⁵ Universität Innsbruck: Geschlechtergerechte Sprache, in: uibk.ac.at, o.D., [online] https://www.uibk.ac.at/leopoldine/sprache.html (abgerufen am 11.10.2022)

⁶ Ludwig-Maximilians-Universität München: Handreichung Gendergerechte Sprache, in: Stuve.lmu.de, o.D., [online] https://stuve.lmu.de/stuve/referate/queer/geschlechtergerechte-sprache/gendergerechte-sprache.pdf (abgerufen am 11.10.2022)

⁷ Koch. L: Leitfaden Gendergerechte Sprache, in: Tu.dresden.de, o.D., [online] https://tu-dresden.de/gsw/slk/germanistik/mwndl/ressourcen/dateien/studium/Gendersensible_Sprache_Professur_neu.pdf?lang=de (abgerufen am 11.10.2022)

⁸ Universität Kiel: Geschlechtergerecht formulieren, in: Gleichstellung.uni-kiel.de, o.D., [online] https://www.gleichstellung.uni-kiel.de/de/geschlechtergerechte-sprache/gender-sprache-1.pdf (abgerufen am 11.10.2022)

⁹ Bundeskanzleramt: Geschlechtergerecht formulieren, in: Bundeskanzleramt.gv.at, o.D., [online] https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/frauen-und-gleichstellung/gleichbehandlung/sprachliche-gleichbehandlung/geschlechtergerecht-formulieren.html (abgerufen am 11.10.2022)

¹⁰ Universität Rostock: Übersicht für eine gendergerechte Schreibweise: Unterstrich, Sternchen oder Doppelpunkt?, in: Uni-rostock.de, o.D., [online] https://www.uni-rostock.de/storages/uni-rostock/UniHome/Vielfalt/Vielfaltsmanagement/Toolbox/UEbersicht_gendern.docx.pdf (abgerufen am 11.10.2022)

¹¹ Burmann C. et al.: Richtlinien Bachelorarbeiten am markstones Institute, in: Uni Bremen Markstones, Dezember 2021, o.D., [online] https://www.uni-bremen.de/fileadmin/user_upload/fachbereiche/fb7/lim/Richtlinien_Bachelorarbeiten_markstones_Dez_2021.pdf (abgerufen am 11.10.2022)

¹² Universität Innsbruck: Datenschutz, in: Uibk.vermap.com, o.D., [online] https://uibk.vemap.com/home/datenschutz2 (abgerufen am 11.10.2022)

¹³ Duden: Gendern, in: Duden.de, o.D., [online] https://www.duden.de/rechtschreibung/gendern (abgerufen am 11.10.2022)

¹⁴ Technische Universität Berlin: Geschlechtersensible Sprache – Ein Leitfaden, in: Tu.berlin.de, o.D., [online] https://www.tu-berlin.de/fileadmin/a70100710_gleichstellung/Diversity_Allgemeines/KFG-Leitfaden_geschlechtersensible_Sprache.pdf (abgerufen am 11.10.2022)