Nominalisierung – Der Weg zum Nominalstil

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Nominalisierung Nominalstil-Definition

Nominalisierungen können beim Verfassen wissenschaftlicher Texte eine wichtige Rolle spielen. Eine Nominalisierung liegt vor, wenn ein Verb oder Adjektiv in ein Nomen umgewandelt wird. Hier lernst du, wie du Nominalisierungen durchführst, welchen Zweck sie in einer wissenschaftlichen Arbeit erfüllen und was der Nominalstil ist. Außerdem zeigen wir dir den Unterschied zwischen dem Nominalstil und dem Verbalstil.

Nominalisierung „einfach erklärt“

Eine Nominalisierung ist die Umwandlung einer anderen Wortart in ein Nomen – meist handelt es sich dabei um Verben und Adjektive. Dies dient dazu Vorgänge und Eigenschaften unabhängig von Personen/Gegenständen beschreiben zu können.

Definition: Nominalisierung und Nominalstil

Eine Nominalisierung (fachsprachlich auch: Substantivierung) bezeichnet die Umformung eines Adjektivs oder Verbs in ein Nomen. Je nach Wortart gibt es verschiedene Möglichkeiten, diese Umformung durchzuführen. Dies geschieht durch das Anfügen bestimmter Derivationssuffixe, durch den Einsatz von Artikeln oder durch Pronomen, die auf das jeweilige Wort bezogen sind.

Die Nominalisierung dient dazu, einen Vorgang, eine Tätigkeit oder Eigenschaft als unabhängigen, beschreib- und zuweisbaren Gegenstand auszudrücken. Nominalisierte Wörter werden vollständig wie Substantive (Nomen) behandelt und in der deutschen Rechtschreibung entsprechend großgeschrieben

Vom Nominalstil ist die Rede, wenn ein Text auf viele Nominalisierungen zurückgreift. Er spielt in der Wissenschaft eine besondere Rolle, da er die sprachliche Grundlage schafft, um subjektunabhängig über die Einzelheiten bestimmter Vorgänge und Eigenschaften sprechen zu können. Zugleich hebt er hervor, dass es sich bei nominalisierten Wörtern um feststehende (also definierte oder definitionsbedürftige) Begriffe handelt.

Nominalisierung von Verben

Die einfachste Form der Nominalisierung entsteht durch die Verwendung eines Artikels oder Pronomens in Kombination mit der Infinitivform eines Verbs.

Beispiel:

Sven mag es, dass der Dozent häufig lacht.
→ Sven mag das häufige Lachen des Dozenten.

Darüber hinaus können Verben nominalisiert werden, indem du sie mit einem Wortbildungsaffix (auch: Derivationsaffix) modifizierst. Darunter fallen zum Beispiel: {-ung}, {-erei}, {-heit} oder {Ge-]. Das passende Affix wird an den Wortstamm angehängt.

Beispiel:

Ich lebe, um zu malen!
→ Ich lebe für die Malerei!

Die dritte Möglichkeit der Nominalisierung eines Verbs besteht darin, das Partizip Perfekt des Verbs in Kombination mit den Endungen {-e} oder {-en} als Nomen zu behandeln.

Beispiel:

Alle staunten über das, was sie hörten.
→ Alle staunten über das Gehörte.

Nominalisierung von Adjektiven

Die Nominalisierung von Adjektiven entsteht durch adjektivbezogene Artikel und Pronomen, durch das Anfügen eines Wortbildungsaffixes oder durch eine adverbiale Bestimmung. Darunter fallen Mengenwörter wie „alles“ oder „nichts“. Beachte, dass nominalisierte Wörter auch als Nomen flektiert werden müssen.

1. Beispiel: mit Artikel

Die blauen Bereiche seiner Bilder sind sehr ausdrucksstark.
→ Das Blaue in seinen Bildern ist sehr ausdrucksstark.

2. Beispiel: mit Pronomen

Da er groß ist, kann er die leckersten Kirschen pflücken.
→ Durch seine Größe kann er die leckersten Kirschen pflücken.

3. Beispiel: mit Wortbildungsaffix

Es liegt daran, dass er ahnungslos ist.
→ Es liegt an seiner Ahnungslosigkeit.

4. Beispiel: mit Adverb

Es blieb nichts übrig, das lecker war.
→ Es blieb nichts Leckeres übrig.

Nominalisierung weiterer Wortarten

Während Verben und Adjektive am häufigsten nominalisiert werden, gibt es auch Möglichkeiten für Präpositionen, Pronomen, Adverbien und Zahlwörter. Diese bilden sich meist durch das Hinzufügen eines Artikels. Generell gilt: Sobald es, gemessen am Satzbau, möglich wäre, das Wort mit einem Artikel auszustatten, zählt es als Nomen.

Beispiele:

Präposition
Wir debattierten über das Für und Wider.

Pronomen
Das Ich und das Über-Ich sind zwei unterschiedliche Bestandteile der Psyche.

Adverbien
Das Heute ist das Gestern von Morgen.

Zahlwörter
Wir haben Unterricht bis zur Achten.

Eine exotischere Variante ist die Nominalisierung von Phrasen. Dabei werden Satzelemente mit mehreren Bindestrichen zusammengefasst und als Nomen behandelt.

Beispiel:

Dieses Bücher-kaufen-aber-nicht-lesen ist ein seltsames Phänomen.

Der Nominalstil: Nominalisierung des Verbalstils

Der Verbalstil veranschaulicht, dass ein Subjekt eine bestimmte Handlung vollzieht. Er fokussiert das Verb, um das sich der übrige Satz konstituiert. Der kognitive Aufwand, um eine Phrase im Verbalstil zu verstehen, ist gering. Dementsprechend fördert er den Lesefluss und dient der Alltagssprache, eine schnelle Verständigung zu ermöglichen. In den meisten Fällen ist der Verbalstil zu empfehlen.

Soll die Handlung hingegen selbst zum Analysegegenstand werden, ist die Verwendung des Nominalstils angebracht. Er erlaubt es, Tätigkeiten bzw. Eigenschaften zu einem unabhängigen Subjekt mit eigener Definition zu machen. Gleichwohl ist zu beachten, dass jede Nominalisierung diese Definition (zumindest theoretisch) auch einfordert.

Denn: Wenn nicht länger davon die Rede ist, dass jemand schwimmt, sondern das Schwimmen selbst zur Debatte steht, drängt sich eher die Frage auf, was dieses Schwimmen eigentlich sein soll.

Eine stilsichere, wissenschaftliche Arbeit bedient sich sowohl des Verbal- als auch des Nominalstils. Der Einsatz des Nominalstils ist immer dann gefragt, wenn der Text sich auf themenbezogene Vorgänge bezieht, die im Rahmen der Arbeit näher zu betrachten sind. Der Verbalstil eignet sich hingegen für die meisten anderen Sätze.

Beispiele:

Die Dortmunder feierten bis spät in die Nacht.
→ Die Feierlichkeiten der Dortmunder währten bis spät in die Nacht.

Der erste Satz legt den Fokus auf feiernde Dortmunder, während der zweite Satz das Feiern an sich in den Vordergrund stellt.

Beispiele:

Die Menschen, die arm sind und die Menschen, die reich sind, können sich einander wenig verstehen.
Arme und Reiche haben wenig Verständnis füreinander.

Dieses Beispiel soll veranschaulichen, dass die Verwendung des Nominalstils sperrige Satzkonstruktionen auflösen und pointieren kann. Dabei musst du jedoch sicherstellen, dass die Leser wissen, was du mit den nominalisierten Begriffen (hier: Arme, Reiche und Verständnis) meinst.

Nominalstil und Verbalstil im Vergleich

Nominalstil Verbalstil
kann Textverständnis erschweren leicht zu verstehen
fördert Neutralität fördert den Lesefluss
verkürzt komplizierte Satzkonstruktionen bedarf vieler Nebensätze
macht Vorgänge und Eigenschaften zu potenziellen Analysegegenständen sollte immer zum Einsatz kommen, wenn Vorgänge bzw. Eigenschaften nicht näher beschrieben werden

Übungen zum Nominalstil

das Lernen

Beispielsatz: Das Lernen fällt ihm schwer.

das Rot(e)

Beispielsatz: Das Rot des Sonnenaufgangs sieht schön aus.

das Schreiben

Beispielsatz: Das Schreiben macht ihm Spaß.

das Schreien
der Schrei

Beispielsatz: Das Schreien der Kinder stört ihn beim Lernen.
Beispielsatz: Der Schrei des Kindes erschreckt ihn.

Er freute sich über/auf das Nachhausegehen.
Er freute sich über/auf das Nach-Hause-gehen.

Er tätigt täglich einen Lauf über 10 Kilometer.

Das Singen der Zwerge ist sehr laut.
Der Gesang der Zwerge ist sehr laut.

Das Bauen des Hauses strengte sie sehr an.
Das Bauen des Hauses war mit großer Anstrengung für sie verbunden.
Sie bauten ein Haus, was mit großer Anstrengung für sie verbunden war.

Häufig gestellte Fragen

Sowohl Verben als auch Adjektive können nominalisiert werden. In bestimmten Fällen sind auch nominalisierte Präpositionen, Pronomen, Adverbien und Zahlwörter möglich.

Es gibt keinen Unterschied. Fachsprachlich werden Nomen als Substantive und die Nominalisierung folglich als Substantivierung bezeichnet

Nominalisierungen ermöglichen es, Vorgänge und Eigenschaften als analysierbare Gegenstände zu beschreiben. Aus subjektabhängigen Tätigkeiten bzw. Beschreibungen werden feststehende Begriffe, wie zum Beispiel: das Schwimmen, das Laufen, das Substantivieren, das Atmen, die Fortsetzung etc.

Der Nominalstil bezeichnet die gehäufte Verwendung von Nominalisierungen. Er ist sinnvoll, wenn die nominalisierten Begriffe als feststehende Analysegegenstände zu betrachten oder zu beschreiben sind.

Nominalisierungen werden durch die Platzierung eines Artikels (bei Verben vor der Infinitivform) mit Derivationssuffixen am Wortstamm ({-ung}, {-erei}, {-heit} etc.) durch das Anhängen spezifischer Präfixe (zum Beispiel {Ge-}), die Beziehung zu einem Pronomen oder durch beschreibende Adjektive gebildet.

Quellen

¹ Rechtschreibrat.com: Regeln und Wörterverzeichnis, in: Rechtschreibrat.com, 2018 [online] https://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_Regeln_2016_redigiert_2018.pdf (abgerufen am 12.10.2022)

² Laun R.: Die Nominalisierung (Substantivierung), in: Deutschkurs – Café Refugio, o.D., [online] https://cdn.website-editor.net/c5d2e166790c44058c48f93411c46f7e/files/uploaded/Die%2520Nominalisierung%2520%2528Substantivierung%2529.pdf (abgerufen am 12.10.2022)