
Der Tampondruck zählt zu den vielseitigsten Druckverfahren in der Industrie und ermöglicht gestochen scharfe Drucke auch auf unebenen oder gekrümmten Oberflächen. Besonders in der Produktkennzeichnung, im Werbemittelbereich und in der Medizintechnik hat sich das Verfahren als zuverlässige Lösung etabliert. Dieser Beitrag erklärt, wie es funktioniert, welche Materialien sich eignen und wo er zum Einsatz kommt.
Definition: Tampondruck
Der Tampondruck ist ein indirekter Tiefdruck, bei dem Farbe zunächst von einer gravierten Druckform (dem Klischee) auf einen elastischen Silikontampon und anschließend auf das gewünschte Material übertragen wird. Durch die flexible Oberfläche des Tampons können selbst unebene, gewölbte oder strukturierte Flächen präzise bedruckt werden. Das Verfahren eignet sich besonders für kleine Druckflächen mit hoher Detailgenauigkeit und wird in zahlreichen Industriebereichen eingesetzt.
Geschichte und Entwicklung des Tampondrucks
- Ursprung im Tiefdruckverfahren: Der Tampondruck entwickelte sich aus dem klassischen Tiefdruck und wurde zunächst in der Uhrenindustrie eingesetzt, um feine Zifferblätter zu bedrucken.
- Einführung des Silikontampons: In den 1960er-Jahren ersetzte man die damals verwendeten Gelatine-Tampons durch Silikon, was die Haltbarkeit und Flexibilität des Verfahrens deutlich verbesserte.
- Industrielle Verbreitung: Ab den 1970er-Jahren fand der Tampondruck zunehmend Anwendung in der Serienproduktion, etwa bei Kunststoffen, Elektronik und Werbeartikeln.
- Technologische Weiterentwicklung: Moderne Maschinen ermöglichen heute präzisen Mehrfarbdruck, automatische Positionierung und Integration in Fertigungslinien, auch im Rahmen von Industrie 4.0-Prozessen.
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Der Druckprozess im Detail
Der Tampondruck verläuft in mehreren präzise aufeinander abgestimmten Schritten. Der Prozess eignet sich für unterschiedlichste Materialien. Von Kunststoff, Metall und Glas bis hin zu Keramik oder lackierten Oberflächen und überzeugt durch seine Fähigkeit, auch unebene oder gekrümmte Flächen exakt zu bedrucken.
Vorbereitung & Klischeeherstellung
Zunächst wird das Druckmotiv auf das sogenannte Klischee übertragen, eine flache Platte, die mit feinen Gravuren oder Ätzungen versehen ist. Diese Vertiefungen nehmen später die Farbe auf. Klischees bestehen meist aus Stahl oder Kunststoff, wobei Stahlklischees für lange Auflagen genutzt werden, während Kunststoffklischees sich für kleinere Produktionen eignen.
| Klischee-Typ | Material | Vorteil | Einsatzbereich |
| Stahlklischee | Gehärteter Stahl | Sehr langlebig, hohe Auflagen möglich | Industrie, Serienfertigung |
| Photopolymer oder Kunststoff | Kostengünstig, leicht herzustellen | Kleinserien, Prototypen |
Farbauftrag & Rakelprozess
Eine Druckfarbe, meist auf Lösungsmittelbasis oder UV-härtend, wird auf das Klischee gegeben. Anschließend streicht eine Rakel (auch „Doctor Blade“) überschüssige Farbe ab, sodass die Farbe nur in den gravierten Vertiefungen verbleibt.
Wichtige Einflussfaktoren:
- Viskosität der Farbe: beeinflusst die Farbübertragung und Schärfe des Drucks.
- Temperatur & Luftfeuchtigkeit: wirken sich auf die Verdunstung des Lösungsmittels aus.
- Oberflächenbeschaffenheit: glatte, saubere und trockene Substrate gewährleisten eine optimale Haftung.
Farbaufnahme durch den Tampon
Der Silikontampon senkt sich auf das eingefärbte Klischee und nimmt die Farbe auf.
Der Tampon besteht aus speziell formuliertem Silikon, das die Farbe kurzzeitig bindet, ohne sie zu absorbieren. Seine Form und Härte werden an die Geometrie des zu bedruckenden Objekts angepasst.
Typische Tamponformen:
- Rund: universell einsetzbar für ebene und leicht gewölbte Flächen
- Oval: ideal für längliche Druckflächen
- Spitz / konisch: für Vertiefungen oder schwer zugängliche Bereiche
| Tamponhärte | Eigenschaft | Anwendung |
| Weich | Passt sich stark gekrümmten Flächen an | Dekorative Teile, unebene Objekte |
| Mittel | Allround-Einsatz | Standardprodukte |
| Hart | Hohe Präzision bei flachen Flächen | Feinstrukturen, Schriftzüge |
Farbübertragung auf das Substrat
Im nächsten Schritt überträgt der Tampon die Farbe durch leichten Druck auf das Material. Durch seine elastische Oberfläche passt er sich perfekt an die Konturen des Objekts an. Auf diese Weise lassen sich auch runde, gewölbte oder strukturierte Oberflächen präzise bedrucken, ein zentraler Vorteil gegenüber Verfahren wie Siebdruck oder Digitaldruck.
Beispiele für typische Substrate:
- Kunststoffe: ABS, PP, PE – etwa bei Elektronikgehäusen, Spielzeug oder Werbeartikeln
- Metall: Werkzeuge, Maschinenteile, technische Komponenten
- Glas & Keramik: Haushaltsartikel, Laborausrüstung, Medizintechnik
- Lackierte oder beschichtete Oberflächen: Automobilteile, Gerätegehäuse
Trocknung & Aushärtung
Nach der Farbübertragung muss die Farbe je nach Typ trocknen oder aushärten.
- Lösemittelbasierte Farben trocknen an der Luft oder mit Warmluft.
- UV-härtende Farben werden sofort unter UV-Licht ausgehärtet – ideal für schnelle Produktionsprozesse.
Die Haftung der Farbe hängt stark von der Vorbehandlung des Materials ab. Metalle oder Kunststoffe werden häufig mit Plasma, Flamme oder Corona vorbehandelt, um ihre Oberflächenspannung zu erhöhen und damit die Druckhaftung zu verbessern.
Prozesssteuerung & Qualitätskontrolle
Für präzise Ergebnisse sind konstante Prozessparameter entscheidend:
- Tampondruckkraft und -geschwindigkeit
- Kontaktzeit zwischen Tampon und Substrat
- Positioniergenauigkeit bei Mehrfarbdruck
Zur Sicherung der Qualität werden Farbhaftung, Schichtdicke und Druckbildschärfe regelmäßig geprüft. Moderne Anlagen verfügen über digitale Steuerungen und Kamerasysteme, die Druckfehler automatisch erkennen und korrigieren können.
Vor- und Nachteile
Hier ist eine übersichtliche Tabelle, die die Vorteile und Nachteile des Tampondrucks gegenüberstellt:
| Vorteile | Nachteile |
| Hervorragend geeignet für unebene, gewölbte oder strukturierte Oberflächen | Begrenzte Druckfläche – nicht für großflächige Motive geeignet |
| Hohe Detailgenauigkeit und feine Linien möglich | Mehrfarbdruck erfordert exakte Registrierung und erhöhten Aufwand |
| Gute Haftung auf vielen Materialien (Kunststoff, Metall, Glas, Keramik etc.) | Farbdeckung meist dünner als bei Sieb- oder Offsetdruck |
| Kosteneffizient bei kleinen und mittleren Auflagen | Farbwechsel und Reinigung können zeitaufwendig sein |
| Geringer Materialverbrauch und präzise Farbübertragung | Verschleiß von Tampons und Klischees erfordert regelmäßigen Austausch |
| Einfache Integration in automatisierte Produktionslinien | Nicht ideal für sehr hohe Stückzahlen mit großem Druckbild |
Anwendungsbereiche & Branchen
Der Tampondruck wird überall dort eingesetzt, wo präzise Drucke auf unebenen, kleinen oder empfindlichen Oberflächen erforderlich sind. Dank seiner Flexibilität und hohen Detailtreue findet das Verfahren in einer Vielzahl von Branchen Anwendung, von der Werbemittelproduktion bis zur Medizintechnik.
Werbemittel und Konsumgüter
Im Bereich der Werbemittel gehört der Tampondruck zu den am häufigsten genutzten Verfahren. Er ermöglicht den Aufdruck von Logos, Schriftzügen oder Symbolen auf unterschiedlich geformte Artikel.
Typische Beispiele:
- Kugelschreiber, Feuerzeuge, Schlüsselanhänger
- Tassen, Becher und andere Giveaways
- Elektronische Gadgets oder USB-Sticks
Elektronikindustrie
Hier spielt der Tampondruck seine Stärken bei feinen Details und komplexen Geometrien aus. Selbst kleinste Beschriftungen oder Symbole können präzise aufgebracht werden.
Anwendungen:
- Bedruckung von Schaltern, Tasten und Bedienfeldern
- Markierungen auf Gehäusen, Displays oder Steckverbindungen
- Kennzeichnung von elektronischen Bauteilen
Automobilindustrie
In der Automobilbranche wird der Tampondruck vor allem für dekorative oder funktionale Aufdrucke im Innen- und Außenbereich genutzt. Die Materialien müssen dabei hohen Anforderungen an Haftung und Beständigkeit genügen.
Beispiele:
- Beschriftungen auf Armaturen, Schaltern und Knöpfen
- Bedruckung von Zierleisten oder Emblemen
- Symbole auf Bedienelementen und Kontrollanzeigen
Medizintechnik und Laborbedarf
Durch die hohe Präzision eignet sich der Tampondruck ideal für empfindliche oder sterile Oberflächen, auf denen saubere, dauerhafte Markierungen nötig sind.
Typische Einsatzgebiete:
- Skalierungen und Markierungen auf Spritzen, Röhrchen und Instrumenten
- Logos oder Chargennummern auf medizinischen Geräten
- Bedruckung von Laborzubehör aus Kunststoff oder Glas
Haushalts- und Industrieprodukte
Auch im Alltag begegnet man dem Tampondruck häufig – etwa bei Geräten, Werkzeugen oder Verpackungen.
Beispiele:
- Bedruckung von Küchengeräten, Fernbedienungen oder Werkzeuggriffen
- Produktkennzeichnung auf Kunststoff- oder Metallteilen
- Logos und technische Informationen auf Verpackungen oder Verschlüssen
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Häufig gestellte Fragen
Beim Tampondruck handelt es sich um ein indirektes Tiefdruckverfahren, bei dem Farbe über ein graviertes Klischee auf einen elastischen Silikontampon und anschließend auf das Material übertragen wird. So lassen sich selbst unebene oder gewölbte Oberflächen präzise bedrucken.
Ob Tampondruck spülmaschinenfest ist, hängt von der verwendeten Farbe und dem Material ab. Mit UV- oder 2K-Farben sowie einer passenden Vorbehandlung und Versiegelung kann der Druck dauerhaft beständig und spülmaschinenfest sein.
Beim Tampondruck wird die Farbe zunächst auf ein graviertes Klischee aufgetragen und anschließend von einem Silikontampon aufgenommen. Dieser überträgt das Motiv durch leichten Druck auf das Material, wodurch auch gekrümmte oder unebene Flächen präzise bedruckt werden können.
Der Tampondruck unterscheidet sich von anderen Verfahren vor allem durch seine Flexibilität bei unebenen Flächen:
- Siebdruck: eignet sich besser für flache oder großflächige Drucke und erzeugt dickere Farbschichten, während Tampondruck feine Details auf kleinen, gewölbten Objekten ermöglicht.
- Digitaldruck / Tintenstrahldruck: druckt direkt und ohne Klischee, ideal für Einzelstücke oder variable Motive; der Tampondruck ist dagegen mechanisch präziser bei Serienproduktionen.
- Offsetdruck & Tiefdruck: sind industrielle Hochleistungsverfahren für großformatige oder hochauflösende Drucke auf Papier; der Tampondruck wird hingegen für kleine Teile und 3D-Objekte eingesetzt.